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Herbstkonzert 2019

Sonntag, 20. Oktober 2019, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
Dumky Klaviertrio, ein Werk mit volkstümlichem Einschlag, das zwischen Schwermut und Ausgelassenheit pendelt und dessen Intensität jeden ergreift. Das Herbstkonzert steht ganz im Zeichen Dvořáks, mit slawischer Schwermut werden die Herbstnächte eingeläutet.

Programm

Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Klaviertrio Nr. 4 "Dumky" in e-Moll, Op. 90
  1. Lento maestoso
  2. Poco adagio
  3. Andante
  4. Andante moderato
  5. Allegro
  6. Lento maestoso - Vivace
Olivier Messiaen (1908 – 1992)
Thema und Variationen für Geige und Klavier
David Philip Hefti (*1975)
«Interaktionen» für Violine, Viola, Cello und Klavier
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Klavierquartett Nr. 2 in Es-Dur, Op.87
  1. Allegro con fuoco
  2. Lento
  3. Allegro moderato
  4. grazioso
  5. Finale. Allegro
  6. ma non troppo

„Ich möchte endlich ein Klavierquartett von Ihnen erhalten – Sie haben es mir versprochen, das ist schon lange her!“ versuchte Simrock lange Zeit Dvořák zu überreden. Erst vierzehn Jahren nach dem Entstehen seines Klavierquartetts in D-Dur vollendete er schliesslich das Klavierquartett Es-Dur im Sommer 1889. Trotz der langen Überredungszeit ging ihm die kompositorische Arbeit leicht von der Hand, wie aus einem Brief an seinen Freund Alois Göbl hervorgeht: „Nun habe ich schon wieder drei Sätze eines neuen Quartetts mit Klavier komplett fertig und das Finale wird in wenigen Tagen beendet sein. Es geht unerwartet einfach und Melodien kommen in Scharen zu mir. Gott sei Dank!“ Das Quartett mit seinem lebhaften Beginn, seinem wunderschönen langsamen Satz, seinem etwas melancholischen Scherzo und seinem unglaublich lebendigen und hochrhythmischen Finale zeugt von der Reife und reichen Erfahrung des Komponisten, der sich langsam aber sicher von den klassischen, romantischen Formen und Traditionen loslöst und den Weg zu freieren und innovativen Ansätzen findet. Auf diesem Pfad entsteht 1891 auch das Klaviertrio Dumky. "Hinreissend hübsch, aber nicht viel mehr als das", so das zögerliche Lobwort zu diesem Klaviertrio von George Bernard Shaw, einem sonst sehr dvořákfeindlichen Kritiker. Was für ihn offensichtlich bereits ein grosses Zugeständnis war, wird dem Werk nur halb gerecht und hat die Nachwelt nicht davon abgehalten das Trio bis heute zu den bekanntesten und populärsten Klaviertrios überhaupt zu zählen. Die Bezeichnung Dumky bezieht sich auf die Form: Die klassische Trioform wird durch sechs aufeinanderfolgende Dumkas ersetzt, die trotz ihrer scheinbar losen Reihung und ihren raschen Wechseln zwischen langsam-schwermütigen und schnell-ausgelassenen Stimmungen zyklisch zusammenhängend erscheinen; im Mittelpunkt dabei das Prinzip des Kontrasts. Die Abkehr von thematisch-motivischer Arbeit zugunsten des puren Klangs erschafft eine hinreissend temperamentvolle Musik, die ihren andauernden Erfolg allemal verdient.

Eine etwas andere Reihung von Klang, aber nicht weniger experimentell komponierte der französische Komponist Olivier Messiaen mit dem Thème et Variations 1932 als Hochzeitsgeschenk für seine zukünftige Frau, die Geigerin Claire Delbos. Bekannt für seine individuelle Tonsprache, die Einflüsse von indischen Rhythmen, gregorianischen Tonsystemen, Vogelgesang und aussereuropäische Klangwelten mit einem tiefen katholischen Glauben kombiniert, steht Messiaen mit diesem Werk noch ganz am Anfang seiner kompositorischen Karriere. Das kurze, einfache Thema mit seinen fünf Variationen ist ein wichtiger Meilenstein in der frühen stilistischen Entwicklung Messiaens. Er experimentiert mit einer harmonischen Sprache, die vornehmlich aus statischen Akkordkonstruktionen besteht und durch die Variationsform versucht an Dimension zu gewinnen. Als Synästhetiker – jemand, der Farben sieht, während er Musik hört – und Bewunderer von Debussy, Ravel und Strawinsky, ist seine Musik, gemalt mit einer enormen Klangpalette, sehr farbig, visuell, impressionistisch und rhythmisch lebendig.

Ähnlich dazu das kammermusikalische Werk Interaktionen, das sich „aus einem einzigen Klangfaden entwickelt, der durch rhythmische Aktionen mehr und mehr an Kontur gewinnt, und dessen Aktionen immer wieder Reaktionen auslösen, die sich zu einer übergeordneten Struktur ergänzen“, so der Komponist David Philip Hefti selbst; ein Werk mit dem der Schweizer 2010 den ersten Preis beim renommierten Kompositionswettbewerb Pablo Casals in Prades gewann. Hefti studierte Komposition, Dirigieren, Klarinette und Kammermusik in Winterthur, Zürich, Karlsruhe und zählt unter anderem Wolfgang Rihm, Cristóbal Halffter und Wolfgang Meyer zu seinen Mentoren. Interaktionen bezieht sich auf „die Wechselbeziehung zwischen den vier Instrumenten aber auch zwischen einzelnen Formabschnitten; die enge Verwandtschaft der Motive, der Rhythmen und der Tempi ist besonders ohrenfällig. Durch das Spannungsfeld zwischen streng organisierter Musik und freien Passagen entsteht ein facettenreiches Bild.“

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