zurück zur Übersicht

Frühlingskonzert 2019

Sonntag, 05. Mai 2019, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
Spritzig und frech hebt es an, das Quartett von Haydn (Der Scherz), gefolgt vom Streichtrio von Dobrinka Tabakova, eine der derzeit aufstrebensten jungen Komponistinnen. Stimmungsvoll klingt der Abend mit Dvořáks Streichquintett aus.

Programm

Leoš Janáček (1854 – 1928)
Streichquartett Nr.1 «Kreutzersonate»
  1. Adagio - Con moto
  2. Con moto
  3. Con moto - Vivace - Andante - Tempo I
  4. Con moto
Joseph Haydn (1732 – 1809)
Streichquartett in Es-Dur, Hob.III.38 «Der Scherz»
  1. Allegro moderato
  2. Scherzo: Allegro
  3. Largo
  4. Presto
Dobrinka Tobakova (*1980)
«Insight» für Streichtrio
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Streichquintett in a-Moll, Op.1
  1. Adagio - Allegro ma non troppo
  2. Lento
  3. Finale: Allegro con brio

Antonín Dvořák arbeitete vorerst als Musiker, Bratschist und Organist, während er an der Verfeinerung seiner Kompositionstechnik arbeitete. Zu dieser Zeit waren die Werke auch nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen und Dvořák verbrannte sogar die Stücke, die ihm nicht gefielen. Erst das Streichquintett in a-Moll bezeichnete er als Opus 1 und startete damit als Zwanzigjähriger offiziell seine Karriere als Komponist. Dvořáks Stil vereint Einflüsse aus der Klassik und Romantik mit volksmusikalischen Elementen. Obwohl noch früh in seiner kompositorischen Karriere, finden sich bereits in diesem Streichquintett Zeichen seines unverwechselbaren Klangs: Vorerst an der klassischen Form, zyklischem Aufbau und geeigneter Instrumentierung festhaltend, sind besonders die breiten Cantabile-Melodien des zweiten Satzes Vorboten seiner zukünftigen Entfaltung.

Eine Entwicklung, die ohne den sogenannten Vater des klassischen Streichquartetts, Joseph Haydn nicht möglich gewesen wäre. Als eines der massgebenden Vorbilder der kammermusikalischen Komposition legte Haydn mit seinem Opus 33 den Grundstein für dieses Genre. Die Streichquartette entstanden zum Anlass des Staatsbesuchs in Wien von Grossfürst Paul, Sohn der Zarin Katharina, weswegen sie auch den Beinamen „russische Quartette“ tragen. Speziell war die andersartige Kompositionstechnik, die Haydn gegenüber seinem Verleger als „ganz neue und besondere Art“ beschrieb. Haydn liebte es, seine Zuhörer aufs Glatteis zu führen. Dies kommt insbesondere im Finale des Es-Dur Quartetts zum Tragen: Generalpausen zwischen den verschiedenen Teilen des Themas gaukeln dem Hörer mehrmals das Ende vor, und die letzte Phrase wird erst nach drei Takten Generalpause wiederholt. Mit diesem komischen Zerfall wollte Haydn angeblich eine Wette gewinnen, bei der er behauptet hatte, die Damen fingen immer an zu reden, bevor die Musik zu Ende sei. Nicht nur Clara Schumann musste bei der Aufführung laut auflachen, auch das englische Publikum fand das Ende des Finales so amüsant, dass sie das Quartett mit dem Spitznamen „The Joke“ versahen.

Einen etwas indirekten Bezug zur Wiener Klassik weist das Streichquartett „Die Kreutzersonate“ von Leoš Janáček auf. Der tschechische Komponist und Zeitgenosse Dvořáks bezog sich dabei nicht auf die Kreutzersonate Beethovens, sondern auf eine Erzählung von Lew Tolstoi, in der die Sonate eine Schlüsselrolle spielt. Die Geschichte handelt von einer ehebrecherischen Frau, die, gefangen in einer unglücklichen Ehe, dem Werben eines ihr unwürdigen Liebhabers nachgibt. Obwohl Tolstoi sie in der Erzählung dafür aufs Schärfste verurteilt, ergriff Janáček Partei für sie und stellte sie als leidende Frau in den Mittelpunkt seiner Musik. Der Geschichte begegnete er erstmals 1909 an den Tolstoi-Feiern in seiner Heimatstadt Brno (Brünn) und schrieb daraufhin ein Klaviertrio, das bis heute jedoch als verschollen gilt. Als fast Siebzigjähriger nahm der Opernkomponist diese Thematik wieder auf und erschuf dabei mit seinem Streichquartett reine Programmmusik, die wie eine Oper für vier Streicher wirkt. In nur neun Tagen brachte er die Komposition zu Papier, die laut Max Brod „alle Stadien der Emotionen von der rastlosen Suche über den Schmerzensschrei bis zur tödlichen Verzweiflung im Finale durchläuft“.

Nicht wie eine Oper, aber sicherlich ungewohnt, sind die Funktionen der Streicher in Dobrinka Tabakovas Trio Insight. Die 1980 in Bulgarien geborene und in London ausgebildete Komponistin erforscht dabei verschiedene Spieltechniken, die den Klang der Instrumente verwandeln, ein abstrakteres Klangbild schaffen und so die Vorurteile und Erwartungen des Publikums gegenüber einem Streichtrio in Frage stellen. „Wie wir Klang visualisieren, ist eine meiner Faszinationen – die Art und Weise, wie wir aus den Empfindungen, die die Musik hervorruft, Bilder erzeugen, die Erinnerungen, die Emotionen“, erklärt sie. Ähnlich wie bei Dvořák vereinen Tabakovas Kompositionen eine breite Palette von Tonalität und Modalität mit Einflüssen aus der Volksmusik und Inspirationen vergangener Meister. Das Neue und das Vertraute finden sich auf melodisch reiche und emotional strahlende Art in ihrer Musik wieder.

Wegbeschreibung