
Frühlingskonzert 2026
Sonntag, 10. Mai 2026, 17 Uhr Uhr, Kirche BlumensteinMusiker
Programm
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Luigi Boccherini (1743-1805)
Sonate für zwei Violoncelli in c-Moll G.2- Allegro
- Largo
- Allegretto
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Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
Suite Nr.5 in c-Moll für Violoncello solo- Prelude
- Allemande
- Courante
- Sarabande
- Gavottes 1 & 2
- Gigue
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Amanda Harberg (*1973)
"On the Edge" für zwei Violoncelli
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Gaspar Cassado (1897-1966)
Suite für Violoncello solo- Preludio - Fantasia
- Sardana (danza)
- Intermezzo e danza finale
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Luigi Boccherini (1743-1805)
Sonate für zwei Violoncelli in C-Dur G.6- Allegro
- Largo assai
- Rondo allegro
Lange hatte das Violoncello einen festen, bescheidenen Platz im Ensemble: im Bass, im Hintergrund, als harmonisches Fundament. Luigi Boccherini, selbst ein virtuoser Cellist, war einer der ersten, der daran rüttelte. Er kannte die Möglichkeiten des Instruments aus eigener Erfahrung und hat ein Leben lang daran gearbeitet, es aus dieser Begleiterrolle herauszulösen. Das Frühlingsprogramm stellt ihn in den Mittelpunkt: das Violoncello als solistisches Instrument, als gleichberechtigter Partner, als singende Stimme über drei Jahrhunderte hinweg.
Die Sonate für zwei Violoncelli in c-Moll G.2 entstammt Boccherinis früher Schaffenszeit, den 1760er-Jahren. Es ist ein Werk, in dem sich bereits jene Eigenheit zeigt, die seine Musik unverwechselbar macht: eine gesangliche Linienführung, die beide Instrumente gleichberechtigt trägt und von einer Sensibilität für Klangfarbe durchzieht, die über den galanten Stil seiner Zeit hinausweist. Die beiden Violoncelli begegnen sich nicht als Solist und Begleiter, sondern als zwei Stimmen, die einander zuhören.
Entstanden um 1720 in Köthen, gehört die Suite Nr. 5 in c-Moll für Violoncello solo zu den bleibenden Wundern der Musikgeschichte. Dass Bach auf einem einstimmigen Instrument eine derartige klangliche und strukturelle Dichte entfalten konnte, ist kaum zu fassen. Die Suite existiert in zwei Versionen: in der originalen Scordatura, bei der die A-Saite auf G herabgestimmt wird und dem Instrument eine dunklere Färbung verleiht, sowie in einer Version für normale Stimmung. Welche Wahl auch getroffen wird, die Wirkung der Sarabande, die als einziger Satz ohne Akkorde auskommt und die Melodie vollkommen auf sich gestellt lässt, bleibt dieselbe: eine fast kontemplative Stille.
Amanda Harbergs «On the Edge» für zwei Violoncelli bringt eine zeitgenössische Stimme ins Gespräch. Harberg, die ihre Kompositionsausbildung an der Juilliard School absolvierte und klassische Tradition mit modernen Einflüssen verbindet, beschreibt das Stück selbst als virtuoses, jazzgeprägtes Werk. Das hört man: rhythmische Energie, federnde Impulse, eine Klangsprache, die zwar in der Klassik verwurzelt ist, aber mit dem Gestus des Jazz atmet. Und doch knüpft es an jene dialogische Grundidee an, die Boccherini bereits vor über zwei Jahrhunderten entwickelt hat: zwei gleichberechtigte Stimmen, die einander fordern und stützen, zwischen Spannung und Balance, zwischen Nähe und Reibung.
Mit der Suite für Violoncello solo von 1926 schlägt Gaspar Cassadó einen bewussten Bogen zurück zur barocken Form, und die Verbindungslinie zu Bach führt direkt über seinen Lehrer Pablo Casals. Als 13-Jähriger hatte Casals die Cellosuiten in einem Barceloner Antiquariat entdeckt, sie jahrelang im Stillen studiert und schliesslich als erster Cellist zur Konzertliteratur erhoben, Werke, die man bis dahin als blosse Übungsstücke betrachtete. Für Cassadó waren Bachs Suiten also keine abstrakte Tradition, sondern gelebte Praxis. Doch das Innere seiner eigenen Suite ist spanisch: Sardana, Jota, Fandango, Tänze, die dem Werk eine Wärme verleihen, die rein technische Meisterschaft nie erreichen könnte.
Den Abschluss bildet Boccherinis Sonate für zwei Violoncelli in C-Dur, ein Gegenstück zur Eröffnungssonate, heller in der Tonart, offener im Gestus, tänzerischer im Charakter. Das dialogische Prinzip bleibt dasselbe: zwei Stimmen, die sich gegenseitig tragen, spiegeln und sich erst im gemeinsamen Klang ganz entfalten. Dass der Abend mit Boccherini beginnt und mit Boccherini schliesst, ist kein Zufall: Es ist eine Hommage an einen Komponisten, der dem Violoncello seinen Platz im Vordergrund erkämpft hat, und an ein Instrument, das seither nicht mehr zurück in den Schatten will.